Steve Jobs ist tot

Steve Jobs ist tot

Christoph Ebert

Steve Jobs, Mitbegründer von Apple, ist am gestrigen Mittwoch in Kalifornien seinem langjährigen Krebsleiden erlegen. Er wurde 56 Jahre alt. "Steves Brillanz, Leidenschaft und Energie waren die Quelle zahlloser Innovationen, die unsere Leben bereichert und verbessert haben", sagte Apple in einer Mitteilung.

Die Nachricht vom Tod - einen Tag nach der Vorstellung des iPhone 4S - erreichte zuerst Apple-Mitarbeiter. Sie wurden durch den neuen CEO Tim Cook via E-Mail informiert. Bis zum Dienstag hatten Gerüchte kursiert, Jobs würde einen Überraschungsauftritt bei der iPhone-Präsentation haben. Doch die Hoffnungen bewahrheiteten sich nicht. Apple änderte umgehend seine Homepage und blendete ein Schwarz-Weiß-Porträt mit der Beschriftung "Steve Jobs, 1955 - 2011" ein. Ferner wurde eine E-Mail-Adresse eingerichtet, an die Gedanken, Erinnerungen und Kondolenzbekundungen geschickt werden können: rememberingsteve@apple.com


Ein Bild aus besseren Zeiten: Apple.com würdigt den Visionär Steve Jobs auf seiner Homepage mit einem Schwarzweiß-Porträt.

Aus aller Welt gab es Trauerbekundungen. US-Präsident Barack Obama zeigte sich betroffen über die Todesnachricht. Eine Mitteilung des Weißen Hauses bezeichnete Jobs als einen der größten amerikanischen Erfinder: "Die Welt hat einen Visionär verloren."

Selbst Apples derzeit größter Konkurrent Google zeigte Größe und verlinkt derzeit auf seiner Homepage auf das Jobs-Porträt auf apple.com. Google-Aufsichstratmitglied Eric Schmidt sagte: "Steve war so charismatisch brillant, dass er Menschen inspirierte, das Unmögliche zu tun." Auch Google-Chef Larry Page brachte seine Trauer zum Ausdruck: "Ich bin sehr, sehr traurig über die Nachricht vom Tode Steves. Er war ein großartiger Mann, der Unglaubliches erreicht hat. Er schien immer in der Lage zu sein in wenigen Worten das auszudrücken, was man eigentlich hätte denken sollen, noch bevor man es gedacht hatte. Sein Fokus auf User Experience über alles anderem war immer eine Inspiration für mich. Er war sehr freundlich und kontaktierte mich als ich Google-CEO wurde und nahm sich die Zeit, mir Rat und Wissen anzubieten, obwohl es ihm schon nicht mehr gut ging. Meine und Googles Gedanken sind bei seiner und der ganzen Apple-Familie."

Auch Microsoft-Mitgründer Bill Gates, ein jahrzehntelanger Konkurrent von Jobs, bekundtet seine Trauer: "Ich bin wirklich traurig. Ich habe Steve vor etwa 30 Jahren zum ersten Mal getroffen, und wir waren Kollegen, Mitbewerber und Freunde über mehr als die Hälfte unserer Leben." Jobs' Einfluss auf die Welt werde noch viele Generationen anhalten, so Gates.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg bezeichnete Jobs als Freund und Mentor und drückte seine Dankbarkeit aus: "Danke, dass du mir gezeigt hast, dass man etwas bauen kann, was die Welt verändert."

Gee Sung Choi, Geschäftsführer und Vize-Vorsitzende, sprach der Familie und Kollegen von Jobs sein "tiefstes Mitgefühl" aus.


Als Zeichen großen Respekts verlinkt Google derzeit auf seiner Suchmaschinenseite auf apple.com und damit auf das Porträt von Steve Jobs.

Visionär, Trendsetter & Unternehmer

Steve Jobs gilt als einer der größten Visionäre seiner Zeit und prägte mit Produkten wie dem iPod, dem iPhone und dem iPad den Lebensstil einer ganzen Generation. Nicht umsonst wurde er bereits des öfteren als der moderne Thomas Edison bezeichnet.

"Steve Jobs gab der Menschheit die nützlichsten Werkzeuge in ihrer Geschichte. Werkzeuge, die wir nicht nur benutzen, sondern auch lieben." Ein Zitat von Steve Wozniack, Freund und Mitbegründer von Apple, dass das Schaffen von Jobs auf den Punkt bringt.

Doch noch 1997 sah es ganz anders aus. Apple schrieb rote Zahlen, galt als Hersteller langweiliger Produkte und stand praktisch vor dem Aus. Doch die Rückkehr von Steve Jobs zu dem Unternehmen, das er gemeinsam mit Steve Wozniak und Ronald Wayne 1976 gegründet hatte, änderte alles. Fünfzehn Jahre später ist die Firma, die einst als reiner Computer-Hersteller begonnen hatte, zum größten IT-Unternehmen der USA, zum führenden Hersteller von Smartphones und Musikplayern und vor allem zur wertvollsten Marke der Welt avanciert.

Dabei hatte alles so klein begonnen: In Jobs Garage in Kalifornien. Dort schraubte der im Silicon Valley aufgewachsene Jobs mit Steve Wozniak den Prototyp des ersten Apple-Computers zusammen - und musste zur Finanzierung sogar seinen VW-Bus verkaufen. Der Durchbruch gelang ihnen mit dem Modell Apple II. Der erste Macintosh kam 1984 auf den Markt. Unvergessen ist der 1,5 Milionen Dollar teure Werbsespot, den Apple im Januar während des Superbowls schaltete und der mit seinen Anspiuelungen auf George Orwells "1984" Werbegeschichte schrieb. Doch zu Verkaufserfolgen verhalf der Spot dem Rechner nicht, die Absatzzahlen ließen mehr als zu wünschen übrig. In der Folge überwarf sich der als sprunghaft und herrisch geltende Jobs mit dem Apple-Aufsichtsrat und verließ das Unternehmen 1995 - ausgerechnet nach einem Machtkampf mit dem erst zwei Jahre zuvor von ihm als CEO angeheuerten Ex-Pepsi-Manager John Sculley. Jobs gründete daraufhin das Unternehmen NeXT Computer, dessen Software die Basis für das Apple-Betriebssystem Mac OS bildete. Darüber hinaus gehörte er auch zu den Gründern des Animationsstudios Pixar.

1996 fand Jobs wieder zurück zu Apple nachdem das Unternehmen NeXT aufgekauft hatte, um deren Technologien zu nutzen. Zunächst war Jobs Berater, 1997 dann Geschäftsführer, als der bisherige Boss Gil Amelio entlassen wurde. Ein Jahr zuvor war Apple bereits stark ins Schlingern geraten und im Zuge einer Finanzkrise stürzte auch der Aktienkurs auf ein bedrohendes Niveau ab.

Mit seiner Rückkehr prägte Steve Jobs eine neue Ära bei Apple, die das Unternehmen an die Spitze führen sollte. Mit neuen Produkten wie dem iMac und einem erweiterten Software-Portfolio, wie zum Beispiel iMovie und dem Betriebssystem Mac OS X fand Apple wieder in die Erfolgsspur zurück. Mit dem iPod erweiterte man ab 2001 die Produktpalette um ein Kronjuwel und stieg damit auch in den Entertainment-Bereich ein. Eine weitere Zäsur folgte 2005, als Apple überraschend auf Intel-CPUs umstieg.

Und dann kam das Jahr 2007, in dem Apple das iPhone auf den Markt brachte. Anfangs noch von der Konkurrenz belächelt, löste es eine ungeheuere Dynamik im jungen Smartphone-Geschäft aus. Mittlerweile entstand um iOS ein gigantisches Ecosystem aus unzähligen App-Entwicklern, das maßgeblich den Erfolg von Apple weiter voran getrieben haben dürfte. Mit dem iPad gelang Apple der jüngste Streich, der dazu führte, dass der Markt der Tablet-PCs aufblühte wie noch nie zuvor. Dieser Markt ist für Apple schon jetzt wichtiger geworden, als die klassische Mac-Sparte.

Unvergessen auch die pompös inszenierten Produktpräsentationen Apples. Steve Jobs ließ es sich nicht nehmen, die Neuheiten persönlich vorzustellen - stets locker in Jeans, Sneakers und schwarzem Rollkragenpulli gekleidet - und immer mit dem obilgatorischen "Oh, and one more thing"-Slogan, dem er wie beiläufig zum bschluss eine weitere innovative Produktneuheit vorstellte.

2004 erkrankte Jobs an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Auftritte in der Öffentlichkeit wurden danach immer seltener, im September konterte Jobs Meldungen über seinen Tod mit einem Mark Twain Zitat: "Berichte über meinen Tod sind stark übertrieben." Dennoch verschwand er fast komplett von der Bildfläche - auch weil er sich nach einer Lebertransplantation viel Ruhe gönnen musste.

Zu den wenigen öffentlichen Auftritten zählte beispielsweise die Präsentation des iPad2 im März dieses Jahres, bei der Jobs bereits stark gezeichnet von seiner Krankheit erschien. Im Januar genehmigte er sich eine Auszeit. Für die Dauer seiner Genesung sollte Tim Cook den Posten als CEO übernehmen. Doch die Übergangsregelung wurde zur Dauerlösung als Jobs im August als Apple-CEO zurücktrat. Der Krebs war zurückgekehrt und Jobs sah sich nicht mehr in der Lage, die Firmengeschäfte zu leiten. Eine Ära war zuende gegangen. 

Steve Jobs starb gestern im Kreise seiner Familie. Trost spenden können Worte von Steve Jobs selbst, die er in einer Rede an Studenten der Stanford University 2005 richtete: 

"Keiner will sterben. Selbst Leute, die in den Himmel wollen, wollen nicht sterben, um dahin zu kommen. Und doch ist der Tod das Ziel, das wir alle gemein haben. Und das ist so, wie es sein sollte, denn der Tod ist höchstwahrscheinlich die beste Erfindung des Lebens. Er bewirkt den Wandel. Er entrümpelt das Alte, um Platz zu machen für das Neue." 

Wir werden dich vermissen Steve!

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