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"Schmeckt lecker nach Hähnchen": Ein Twitterer rockt Pril

admin
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Es gibt Gewinnspiele, die sich einer breiten Masse stellen. Dazu gehört unter anderem eine Aktion aus dem Hause Henkel: Mein Pril – Mein Stil. Doch haben die Macher damit gerechnet, dass ein Twitterer aus Hamburg – @peterbreuer – genügend Masse mobilisieren kann, um mit seinem Vorschlag die Charts zu stürmen? Sein Motto lautet: Schmeckt lecker nach Hähnchen. Sein Design kommt gut an – Grund genug für uns, mit ihm über sein Meisterwerk, die Followerpower und die Langlebigkeit (oder auch nicht) eines Tweets zu sprechen.

Schmeckt lecker nach Hähnchen!
Die Nummer Eins im Beliebtheitswettbewerb. Mmmm … Hähnchen!

CREATE OR DIE: Hallo Peter, wie bist du eigentlich auf diese Pril-Aktion aufmerksam geworden?

Peter Breuer: Irgendjemand schrieb auf Twitter über die Pril-Aktion. Im Nachhinein erfuhr ich, dass sein Betrag abgelehnt worden war, weil ein primäres männliches Geschlechtsorgan in nicht gerade relaxter Haltung zu sehen war.

CREATE OR DIE: Und warum wurdest Du nicht abgelehnt?

Peter: Tatsächlich habe ich mir die AGBs vorher durchgelesen. Aber ich hatte ich ohnehin nicht vor, ein verletzendes oder sexistisches Motiv zu gestalten und mein Zeitbedarf sollte unterhalb von zwei Minuten liegen. Außerdem war mir klar: Wenn ich mit einer Albernheit komme und relativ schnell sichtbar bin, dann kann mir eigentlich gar nichts passieren.

CREATE OR DIE: Jetzt bist du auf Platz 1. Glaubst du, dass du damit durchkommst? Wird dein Vorschlag auserwählt?

Peter: Nein! Die Teilnahmebedingungen sehen vor, dass sich die Jury aus den zehn Leuten, die zum Schluss die bestplatzierten sind, zwei Motive aussuchen dürfen. Das kann also auch Platz neun und zehn sein. Das sind dann die beiden Hauptpreise, die Fernreise oder … ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, was man gewinnen kann. Ich hatte nicht einmal damit gerechnet, überhaupt unter die ersten Zehn zu kommen.

CREATE OR DIE: Wo lag denn deine Motivation, überhaupt dran teilzunehmen?

Peter: Ich hab mir diese Aktion angesehen und irgendwo einen Artikel über andere Markenartikler, die so etwas gemacht haben und das dann auch Crowdsourcing nennen.

Aber echtes “Crowdsourcing” ist das ja nicht. Dazu sind die Möglichkeiten, sich zu veräußern zu beschränkt. Das Tool ist ein Baukasten aus irgendwelchen Stempelchen, der mal hierhin, mal dahin gedrückt wird. Und die mittlerweile knapp 30.000 Entwürfe sehen sich zum größten Teil sehr ähnlich. Da gibt es Verläufe, ein paar Vögelchen, ein paar Pril-Blumen, es ist eigentlich immer dasselbe. Und das einzige Werkzeug, das man wirklich frei benutzen kann, ist der doofe Stift, mit dem man aber auch nichts Gescheites aufs Blatt bekommt. Und deshalb sieht es so aus, wie es aussieht.

CREATE OR DIE: Wie viel Feedback hast du gefühlt aus der Twittersphäre bekommen?

Peter: Ich hab das völlig unterschätzt. Ich habe gedacht, ich kriege drei Lacher und es passiert nichts. Vielleicht paar Votes für den Entwurf, aber ich bin niemals darauf gekommen, dass es so kommt. Inzwischen ist der Ursprungstweet retweetet worden und auf der Startseite ist momentan auch ein Tweet, der zum Voting aufruft. Der zitiert sogar meine eigene Meinung zur Hässlichkeit des Entwurfs. Wichtig ist mir: Ich habe das nicht gemacht, um Henkel in die Suppe zu spucken. Wenn ich geahnt hätte, wie viel Wellen das schlägt, dann hätte ich es gelassen, um nicht für Gratis-PR zu sorgen.

Es wäre mir ein Fest, wenn wir @peterbreuer mit diesem hässlichen Motiv auf Platz 1 bringen. Bitte voten! http://tinyurl.com/3mxj36d #fbless than a minute ago via TweetDeck Favorite Retweet Reply

CREATE OR DIE: Gibt es irgendwelche Lehren, die du jetzt daraus ziehst?

Peter: Nein, denn alles, was nun kommt, kenne ich eigentlich. Ich bewege mich ja auf Twitter schon länger, und ich kenne die Halbwertzeit der Begeisterungsfähigkeit. Möglicherweise kippt die Stimmung sogar schon heute: Irgendwann werden die Leute sagen: “Boah, was geht mir das auf den Keks” und morgen bin ich als Urheber der Arsch. Das ist ein ganz normaler Schweinezyklus, der gerade abläuft.

CREATE OR DIE: Du bist dir der “Sterblichkeit” deines Tweets also bewusst?

Peter: Einfach Ruhe bewahren – in drei Wochen wird sich keiner mehr an das Hähnchen erinnern. Und an Pril auch nicht. Und diese Hähnchen wird es natürlich auch nicht geben – die Marketingabteilung von Henkel müsste verrückt sein. Vielleicht gibt es eine Unikatflasche …

CREATE OR DIE: Wir drücken dir die Daumen! Vielen Dank für das Gespräch.

Peter Breuer hat an der Folkwangschule Essen Design studiert und arbeitet seit fast zwanzig Jahren als Texter. Angefangen hat er in einer großen Düsseldorfer Agentur, danach hat er frei in der Unternehmenskommunikation und Konsumgüterwerbung gearbeitet. Hähnchen waren auch schon dabei. Heute lebt er in Hamburg und arbeitet als Konzeptionstexter für verschiedene Kunden.

Das Interview führte Tom Wiesseckel

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