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Meine erste Woche mit iOS und dem iPhone 5 – Erfahrungen eines Ex-Android-Users

Christoph Ebert
#iphone 5

Zugegeben: Spannung und Vorfreude waren sehr groß als ich am Freitag dem 21. September abends aus dem Büro nach Hause kam, wohl wissend, dass dort ein iPhone 5 auf mich wartete. Mindestens genauso groß war jedoch die Erwartungshaltung an Apples neuesten Sprössling. Als Android-Nutzer hatte ich bisher zwei Jahre lang der Google-Plattform die Treue gehalten und mich erst Ende August entschieden, die Fronten zu wechseln.

Persönliche Android-Historie

Doch der Reihe nach: Meine persönliche Smartphone-Geschichte umfasste – diverse Testgeräte verschiedener Hersteller außen vor gelassen – knapp eineinhalb Jahre mit dem Samsung Galaxy S sowie knapp sieben Monate mit dem Galaxy Nexus. Begonnen hatte meine Android-Reise mit Android 2.1. Eclair. Doch das überlebte nicht einmal die ersten 24 Stunden, dann wurde es durch ein auf 2.2 Froyo basierendes Custom ROM ersetzt. Einige Monate und verschiedene Tests mit anderen Custom ROMs gingen ins Land. Dass das Smartphone hier und da mal stockte, die Benutzung mancher Apps einer Tortur glich oder sich das Gerät zuweilen einfach abschaltete – daran hatte man sich mit der Zeit gewöhnt. Scheinbar war das halt so und im Zweifelsfall war das Custom ROM daran schuld (bekam man jedenfalls in den Foren zur Antwort) und außerdem: Bald käme das nächste ROM (mit neuen Features und neuen Bugs) zum “Drüberbrezeln”.
Freunden von mir, die seinerzeit mit dem iPhone 4 durch Leben gingen, waren solche Problemchen unbekannt. Na gut, tröstete man sich: Das mag alles viel reibungsloser laufen mit dem iPhone, aber die müssen iTunes benutzen und haben lang nicht so viele Einstellungsoptionen wie ich!

Galaxy Nexus – jetzt wird alles gut!?

Im weiteren Verlauf meiner Android-Karriere hatte ich noch die Version 2.3 Gingerbread ausprobiert, die im Vergleich zur Vorgängerversion deutliche Leistungssteigerungen mit sich brachte. Dann endlich kam der Wechsel zum Galaxy Nexus! Auch hier durfte die vorinstallierte Original Ice Cream Sandwich Version nur kurz ihren Dienst verrichten, bevor ein ICS Custom ROM auf dem Smartphone Einzug hielt. Und Mann oh Mann, machte das Spaß! Der Geschwindigkeitszuwachs im täglichen Gebrauch war frappierend und irgendwie stellte sich die Überzeugung ein, dass man sich mit dem Nexus nun doch gar nicht mehr so weit weg vom iPhone (inzwischen dem 4S) befand. So gut wie keine Abstürze, eine überarbeitete User-Führung und scheinbar unendlich viele Möglichkeiten, das Phone zu “customizen” (man entschuldige mir die vielen Anglizismen).

Als ich dann im Juni spielend leicht Android 4.1 alias Jelly Bean auf dem Nexus installiert hatte, wurde ich in dieser Meinung noch bestärkt. Ein weiterer Performance-Zuwachs, Sprachsteuerungsfunktionen und eine sehr flüssige User Experience ließen bei mir Zweifel aufkommen, ob ich im September wirklich die Fronten wechseln sollte. Wollte ich wirklich diese schöne offene Plattform aufgeben und als inzwischen erfahrener User Apples Walled Garden betreten?
Da ich aufgrund meines Vertrages aber just in diesem Zeitraum für ein neues subventioniertes Smartphone infrage kam, fiel Ende August doch die Entscheidung für den Abschied: Ich sicherte mir ein Telekom Premierenticket und wartete – mehr oder weniger verunsichert – auf den September.

Zurück in die Gegenwart: Seit jenem 21. September befinde ich mich nun auf der “Dark Side”, wie es mehr als einer meiner Freunde mit Android-Smartphone bezeichnet. Das Fazit nach knapp eineinhalb Wochen iPhone 5 und iOS 6? Ein positives, aber kein uneingeschränkt positives.

Das iPhone 5 - der Heilsbringer für geplagte Android-User? Quelle (Aufmacher-) Bild: Apple PR
Das iPhone 5 – der Heilsbringer für geplagte Android-User? Quelle (Aufmacher-) Bild: Apple PR

iPhone 5 – Welcome to the Dark Side!

Zunächst war ich allerdings überrascht, welche Skepsis mir ob der Fähigkeiten des neuen Apple-Phones von vielen entgegenschlug. Kein anderes Gerät des täglichen Gebrauchs polarisiert so wie das iPhone. Für Gespräche mit Android-Anhängern unter meinen Freunden hatte ich mir schon kurz nach dem Wechsel eine solide Verteidigungsstrategie aufgebaut. Deren Quintessenz: Auf dem Ding läuft einfach alles, aber auch wirklich alles, schnell und flüssig. Ein Totschlagargument in Reinkultur. Damit drängt man die Hater zunächst einmal in die Defensive, bevor man nachlegt.
Aber Spaß beiseite: In puncto Performance liegt das iPhone 5 mit iOS 6 klar vor dem Galaxy Nexus. Das ist zunächst einmal wenig aussagekräftig und mit aktuellen Android-Geräten wie dem Samsung Galaxy S3 mag dieser Unterschied geringer ausfallen oder sogar verschwinden. Aber eine derart reibungslose Bedienung und Nutzerführung konnte mir mein Jelly Bean Nexus jedenfalls nicht bieten. Abstürze? Keine gehabt bisher. Eine hakelige User Experience? Fehlanzeige. Kurzum: Derzeit bin ich sehr zufrieden.

Wurstfinger?

Mein größter Kritikpunkt am iPhone 5 bezieht sich hingegen nicht auf das peinliche Maps-Fiasko, sondern ausgerechnet auf das größere Display. Ich glaube nicht, dass man meine Finger als Wurstfinger bezeichnen würde, aber dennoch macht sich die Umgewöhnung von 4,65 Zoll auf 4 Zoll bemerkbar – insbesondere beim Tippen. Zu oft verfehle ich die Tasten, etwas, was mir beim Nexus so gut wie nie passiert war und was mir jetzt zuweilen richtig auf die Nerven geht. Das große Display des Nexus empfand ich nie als klobig oder störend. Für mich standen die Vorteile klar im Vordergrund. Und dass es tatsächlich Vorteile hat, merke ich jetzt, wenn ich versuche hoch konzentriert die richtigen Buchstaben zu treffen. Und übrigens: Weil in iOS die “Zurück”-Taste in der Regel oben links platziert ist, musste ich mich in puncto Smartphone-Halten umgewöhnen. Mit meinem Nexus-Handgriff, der ein problemloses Erreichen des Softkeys für die Zurück-Funktion erlaubte, komme ich nicht in die obere linke Ecke.

Ein anderer Aspekt, der vor allem am ersten Wochenende mit dem iPhone 5 zutage trat und von mir als Manko wahrgenommen wurde, sind die Einstellmöglichkeiten beziehungsweise die Abwesenheit derselbigen. Lässt sich – vor allem mit Android Custom ROMs – die Hardware von A bis Z einstellen, tweaken und auf persönliche Vorlieben anpassen, wird es auf dem iPhone so gemacht, wie es Apple vorgibt. Basta! Ein ums andere Mal ertappte ich mich anfangs dabei, wie ich zu mir sagte “Ja aber da muss ich doch jetzt noch irgendwo etwas einstellen können”, nur um festzustellen: Nö! Fällt aus wegen ist nicht!

Inzwischen, nach gerade mal zehn Tagen, habe ich mich auch daran gewöhnt. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich aufgrund ausgedehnter Gespräche mit anderen iPhone-Besitzern wusste, was auf mich zukommt und dabei meist für mich entschieden hatte, dass ich mit den jeweiligen Änderungen beziehungsweise Einschränkungen leben könnte.

Allerdings halte ich es für wahrscheinlich, dass es mir – hätte ich vom iPhone auf ein Android-Gerät gewechselt – auf gewisse Weise ähnlich ergangen wäre. Das mag eine von persönlichen Vorlieben gesteuerte Meinung sein, doch fest steht: Als passioniertem Geräte-Manipulierer, der eben verschiedenste Android Custom ROMs ausprobiert und in der Vergangenheit so manchen &nbspSatelliten-Receiver sowie andere Unterhaltungssoftware “gepimpt” hat, kann ich mir gut vorstellen, dass ich einen Wechsel von iOS auf Android als Befreiung empfunden hätte. Und es scheint mir vor allem an diesem Aspekt zu liegen, dass vielen ein Wechsel von einer Plattform zur anderen so schwer fällt: Man gewinnt vieles, verliert aber auch so manches.

Fazit

Für mich steht auf jeden Fall fest: Ich werde es weiter mit dem iPhone 5 probieren – mindestens weitere zehn Tage – und sehr wahrscheinlich noch viel länger. Eine Entscheidung, die meine Freundin am härtesten trifft. Ihr hatte ich mein Galaxy Nexus abgetreten. Eigentlich ein echtes Upgrade für sie, denn zuvor war bei ihr ein Samsung-Einsteiger-Gerät mit Android 2.3 im Einsatz. Und in der Tat: Nach zehn Tagen Jelly Bean ist sie richtig happy.
Allerdings muss ich erwähnen, dass der Anblick des im Vergleich zum Nexus grazilen iPhone 5 folgende Äußerung bei ihr erzeugt hatte: “Oooch ist das schön klein!” Tja, tut mir leid Schatz. Aber immerhin hast du keine Probleme beim Tippen.

Über den Autor
Christoph Ebert

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Christoph Ebert stieß im Juli 2011 zum Online-Team von Software & Support Media. Als Redakteur kümmert er sich um das Portfolio von entwickler.press und ist verantwortlich für das Entwickler Magazin und entwickler.de. Davor betreute er die Portale WebMagazin.de, CreateOrDie.de und mobile360.de. Vor seiner Zeit in Frankfurt arbeitete der studierte Amerikanist und Tech-Geek als Redakteur für ein Heimkinofachmagazin im Süden Deutschlands.
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