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Ist Instagram das Ende der Kunstfotografie?

admin
#instagram

Was ist eigentlich Kunst? Diese Frage spaltet die Gemüter. Für die einen ist Kunst etwas, das in einem Museum hängt und so schön ist, das man es sich auch selbst “daheim an die Wand hängen” würde. Für andere hingegen muss Kunst aufrütteln, wild und frei sein. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es natürlich den sogenannten breiten Mainstream, der sowohl die alte Pinakothek in München als auch ein cooles Grafitti in der Innenstadt zu schätzen weiß – aber sonst nicht viel mit Kunst am Hut hat.

Viele Vertreter dieses Mainstreams tragen heutzutage Smartphones mit Kameras und Foto-Apps wie Instagram mit sich herum. Dank dieser Bildbearbeitungsprogramme können durchschnittliche Schnappschüsse mit coolen Lichteffekten veredelt werden, sodass sie aussehen, als wären sie von Künstler-Hand geschaffen. Soweit so gut. Nun melden sich aber aus den Reihen der Fotografen immer mehr Kritiker, die durch den exzessiven Einsatz von Foto-Apps und Smartphone-Kameras die Kunstform der Fotografie in Gefahr sehen. 

Die Wahrheit ist jedoch, dass neue technische Möglichkeiten wie Smartphones, Social Media und Internet die Gesellschaft demokratisiert haben. Informationen sind manchmal nur einen Klick vom Durchschnittsbürger entfernt. Elitäre Nachschlagewerke wie der Große Brockhaus mit gefühlten 100 Bänden haben bereits ausgedient. Und so hat sich auch die Kunstform der Fotografie demokratisiert. Viele der bedeutendsten Fotografien sind spontane Schnappschüsse. Man denke da an das Portrait von Che Guevara oder an die tanzenden Priester vom Giacomelli. Wenn nahezu jeder mit wenigen Handgriffen ein schönes Motiv einfangen, es dank Instagram verbessern und via Social Media verbreiten kann, wird unsere Welt doch bunter!

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Natürlichkeit alltäglicher Fotografie verloren gehe, weil jedes banale Geburtstagsfoto einen coolen Bildeffekt trägt. So hat sich die Journalistin Kate Bevan im Guardian darüber mokiert, dass jeder Hobby-Fotograf innerhalb weniger Sekunden ein gewöhnliches Foto künstlerisch bearbeiten kann.

Auch diese Kritik an Instagram und Co. erweist sich als substanzlos, wenn man einen kleinen Blick zurück in die Vergangenheit wirft. Ich bin in den achtziger Jahren aufgewachsen und meine Baby-Fotos haben einen Orangestich. Das war damals nicht anders möglich, sagt meine Mutter. Naja, ob das wirklich so ist, sei mal dahin gestellt. Ich denke, das lag am Film und an der alten Kamera. Die Fotos der Generation, die jetzt aufwächst, tragen einen leichten “Instagram-Stich”. So hat jede Generation ihr Kreuz zu tragen. Vielleicht werden wir irgendwann auch sagen, dass das damals nicht anders ging: “das haben doch schließlich alle getan”. Wer weiß wie die Fotos in zwanzig Jahren aussehen werden?

Ob nun mit Instagram veredelte Fotos schön sind oder sogar einen künstlerischen Anspruch haben, muss jeder für sich selbst entscheiden. Denn die Frage, was Kunst ist und was nicht, wird wohl nie endgültig geklärt werden – und das ist auch gut so.

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