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Das ePad Femme: Was Frauen wollen?

Corinna Kern
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Der Hersteller Eurostar hat ein Tablet speziell für Frauen herausgebracht und es im Februar als perfektes Valentinstags-Geschenk angepriesen. Seither trollen vor allem weibliche Redakteurinnen im Netz um die Wette. Auch in unserer Redaktion hat sich das Lady-Tablet wenige neue Freundinnen gemacht.

Da hat der Hersteller Eurostar aber echt mal mitgedacht, als er ein Tablet speziell für Frauen konzipiert hat. Besonders beim UI wurden unsere Bedürfnisse an so ein mobile Device endlich mal richtig befriedigt: Allem voran hat es einen rosa Hintergrund – sehr gut, denn der graue Hintergrund des iPads hat bei mir regelmäßig Blitz-Migräne verursacht. Dann sind da noch lustige kleine Kästchen auf dem Screen vorinstalliert – Apps nennt man die glaube ich. Sie sollen mir beim Kochen, Abnehmen und beim Merken von Sachen helfen – ich freue mich schon, dass ich nun mit dem 8-Zoller durch den Supermarkt schlendern und meine Einkaufsliste checken kann, um meinem Göttergatten am Abend den Schweinebraten aus der Rezept-App zuzubereiten. Ich selbst werde während er isst natürlich brav meine Sit-ups machen. Wow, habt Ihr auch grad einen Timewarp ins Jahr 1953 gemacht?

Spaß beiseite! Die Idee hinter dem Android-basierten ePad Femme ist nicht neu! Pinke Devices für Frauen gibt es immer wieder und vorinstallierte Apps sind auf so ziemlich jedem Device. Doch das Unternehmen tritt mit seinem Gesamtkonzept in so einige Fettnäpfchen: schlechte Hardware in Kombination mit einem klischeehaften Rollenverständnis – das bietet einfach unweigerlich eine große Angriffsfläche, ohne dass man gleich ein feministisches Pamphlet daraus machen muss. Sicherlich ist es kein falscher Ansatz Devices an Zielgruppen anzupassen, das hat sich z.B. bei Senioren durchaus bewährt. Nur, dass bei Senioren-Geräten vor allem auf nachlassende Sehkraft und Motorik Rücksicht genommen wird. Und bei Frauen? Um es noch positiv zu formulieren, wahrscheinlich auf mangelnde Affinität für technische Devices. Wollte man es weniger beschönigen, müsste man jedoch sagen: Das ePad suggeriert, dass Frauen 1. zu doof sind, ein herkömmliches Tablet zu bedienen 2. nicht merken, wenn man sie mit minderwertiger Hardware abspeist und 3. generell erst mal einen sehr beschnittenen Horizont haben. Keep calm and look pretty!? Die Aussage des Marketing Vize-Präsidenten Mani Nair, das Gerät und die vorinstallierten Apps seien für Frauen gedacht, die unter Umständen Schwierigkeiten damit hätten, sich ihre Apps selbst herunter zu laden, machen es nicht wirklich besser. Gerade wenn man im Vergleich dazu Werbespots der Firma Microsoft sieht, die vermitteln, dass Touch und Co. sogar von Kindern spielend leicht adaptiert werden.

Dass das Tablet nicht allzu viel leisten kann, zeigt der Blick unter die Haube: Ein Gigabyte Arbeitsspeicher, 16 Gigabyte Datenspeicher und einen 1,5 Gigahertz-Prozessor. Das verspricht eine zähe Klickerei. Außerdem läuft es noch auf Android 4.0. Immerhin kostet es nur 130 Euro – das Geld würde ich dann aber trotzdem lieber in ein neues paar Schuhe investieren, so wird das Klischee am Ende doch bestätigt, aber wenigstens auf eine Art, die mir zusagt.

So denken offenbar auch viele andere Frauen, denn bisweilen wurden nur rund 7.000 Exemplare verkauft. Das Gerät wird bisher nur in Osteuropa, den Emiraten und Asien vertrieben, soll aber bald weltweit verfügbar sein.

Aufmacherbild: ©Eurostar

Über den Autor
Corinna Kern

Corinna Kern

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Corinna Kern ist seit Ende 2011 Redakteurin bei Software & Support Media. Ihre Themengebiete umfassen schwerpunktmäßig Microsoft-Technologien und darüber hinaus Web-Entwicklung im PHP-Umfeld. Sie arbeitet an regelmäßig erscheinenden Magazinen wie dem Windows Developer und dem PHP Magazin mit. Vor ihrer Zeit bei S&S studierte sie  Amerikanistik und Kulturanthropologie an der Goethe Universität Frankfurt am Main und arbeitete als freie Journalistin für diverse Print-Publikationen und Museen.
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