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Analyse: alle neuen Facebook-Features auf einen Blick

admin
#facebook

In seiner Keynote auf der Facebook Developer Conference f8 hat Mark Zuckerberg gestern einige der einschneidensten Veränderungen seit dem Bestehen von Facebook angekündigt. Wir haben die Neuerungen für Euch zusammengefasst und analysiert.

1. Die Timeline

Die Profilseite von Usern wird einer erneuten Überarbeitung unterzogen. Facebook führt eine Timeline ein, die in Form eines Streams alle persönlichen Informationen, die man bei Facebook hinterlegt hat, anzeigt – von Status-Updates über Fotos und Apps bis zu den Orten, auf denen man sich via Facebook Places markiert hat. Hier wird sie ausführlich vorgestellt. Zunächst wird die Timeline als Beta ausgerollt, Entwickler können sie sofort nutzen. Das weltweite Ausrollen soll nächste Woche folgen.

Die neue Funktion soll User dazu animieren noch mehr Persönliches preiszugeben und die Timline soll dabei als Sammelalbum voller Erinnerungen dienen – quasi als visuelle Lebensgeschichte des Users. Ein Punkt, der manchen sauer aufstoßen könnte: Facebook fügt Fotos, Status Updates und andere Infos automatisch der Timeline hinzu, ein manuelles Adden funktioniert natürlich auch.
Ebenfalls Teil der Timeline: eine Karte, die auf Basis von Facebook Places Daten zeigt, wo man schon überall war.
Die nachhaltigste Veränderung ist jedoch das neue Cover-Foto. Zukünftig wird am oberen Rand des Profils eine XXL-Bild angezeigt.

2. Facebook Gestures

Die Zeiten in denen man lediglich per “Like”-Button oder einem Kommentar seinen Senf zu einem Facebook-Post dazugeben konnte, gehören bald der Vergangenheit an. Neben den bereits angekündigten “Watched”-, “Listened”- und “Read”-Buttons will das soziale Netzwerk Entwicklern im Rahmen von Facebook Gestures die Möglichkeit geben, eigene Aktions-Buttons – sogenannte Gestures – zu kreieren. Dafür wird ein neuer Open Graph eingeführt – verinfacht gesagt: eine neue, sehr mächtige API, auf deren Basis Entwickler Apps bauen können. Ben Parr vn Mashable malt bereits theoretische Szenarien für solche Gestures: ein “Challenge”-Button, um einen Freund über seine Pinnwand zu einem Spiel herauszufordern, einen “Cheer”-Button, um Freunde anzufeuern. Natürlich wird damit theoretisch auch ein “Disklike”-Button möglich. Endlich werden manche sagen, doch es bleibt abzuwarten, wie Facebook mit exakt diesem Ausdruck verfahren wird. Auf jeden Fall haben Zuckerberg & Co. laut eigener Aussage realisiert, dass viele User vor der Benutzung des “Like”-Button als Sharing-Instrument zurückschrecken – denn schließlich impliziert der Button, dass man den geteilten Content mag – egal ob man ihn eigentlich nur anderen zugänglich machen wollte oder nicht. Eins ist klar: Facebook Gestures hat das Potenzial einen wahren Sharing-Tsunami auszulösen, denn User können damit ihre Einstellung zu geteiltem Content deutlich klarer zum Ausdruck bringen. Und natürlich darf man die Verwendung von Gestures auf Webseiten nicht vergessen: Für Mashable haben sie das Potenzial Facebook zu DER Social Layer des Web zu machen.

Für uns stellen sich darüber hinaus weitere elementare Fragen, auf die wir im nächsten Abschnitt eingehen, denn aus dem neuen Open Graph resultiert auch die folgende Änderung.

3. Facebook-Apps fragen nur einmal um Erlaubnis, um Inhalte zu teilen

Diese Neuerungen dürfte kontrovers diskutiert werden. Bisher mussten Apps jedes Mal beim User nachfragen, wenn sie Nutzer-Informationen auf der Profilseite anzeigen wollten. Jetzt teilt einem die App bei der esten Autorisierung mit, was sie zukünftig teilen wird. Ist man einverstanden, wird nie mehr nachgefragt. Die Implikationen dieser neuen Regelung sind noch nicht ganz klar. Führt der Open Graph am Ende zu unkontrolliertem Sharing, sprich meine Kontakte werden künftig via live Ticker oder später per Timeline ohne mein Zutun beispielsweise über meine durch Facebook-Apps aufgezeichneten Webseiten- oder Kneipenbesuche informiert, dürfte das vielen Usern mehr als nur gegen den Strich gehen. Hier besteht dringender Klärungsbedarf: In welchem Umfang hat der User künftig die Möglichkeit zu entscheiden, wem welche meiner Aktivitäten angezeigt wird, beziehungsweise: Hat er sie überhaupt noch? Big Brother, ick hör’ dir trapsen…

Aus diesen Überlegungen resultiert ein weiteres Fazit: Wie Google avanciert Facebook immer mehr zu einem mächtigen Datensammler, was der Werbeindustrie die Freudentränen in die Augen treiben dürfte und Datenschützer die Zornesröte ins Gesicht. Infos über mich werden aus den verschiedensten Bereichen in die Facebook-Datenbänke geschaufelt, so dass mancher schon ein mächtiges Advertising-Netzwerk á la Google am Horizont sieht. Wer sich detaillierter mit dem neuen Open Graph auseinandersetzen möchte, kann sich die Dokumentation der Open Graph Beta hier durchlesen.

4. Der Ticker

Über den neu eingeführten Live Ticker haben wir bereits hier berichtet. Im Kontext der weiteren Neuerungen, die auf der f8 vorgestellt wurden, kristallisiert isch heraus, dass der Ticker hauptsächlich dazu dienen wird triviale Informationen und Posts von der Timeline fernzuhalten. Infos zu Spielerfolgen von Freunden in “Farmville”, die allmorgentlich geöffnette Glücksnuss oder ähnliches sollen nicht die Timeline “verstopfen” und landen stattdessen im Ticker.

5. Fernsehen und Filme schauen, Musik hören und Nachrichten lesen – alles innerhalb von Facebook

Über das neue Feature Facebook Music haben wir gestern bereits berichtet. Zur Musik kommen jetzt noch Fernsehen, Filme und News dazu. Dazu ist Facebook Partnerschaften mit zahlreichen Mediendiensen eingegangen – von Hulu über Spotify und Yahoo! bis hin zu Netflix. Welche dieser Partnerangebote auch in Deutschland verfügbar sein werden, ist noch unbekannt. Wie beim Musik hören werden auch bei den anderen Formen des Medienkonsums Freunde via Ticker informiert, was man gerade anschaut, hört oder liest – immer mit der Möglichkeit mit dem Klick auf einen Link ebenfalls auf das entsprechenden Medium zuzugreifen.

Und sonst?

Natürlich fand Mark Zuckerberg, beziehungsweise Comedian Andy Samberg, der als Zuckerberg-Double auftrat (Video nach dem Break), in seiner Keynote auch Zeit für Statistiken. So verkündete er, dass Facebook inzwischen die Marke von 800 Millionen Usern erreicht hat. Auch ein Rekord für die meisten Seitenbesucher wurde kürzlich aufgestellt: 500 Millionen User loggten sich an einem Tag ein.

Bleibt uns noch die vorgestellten Neuerungen einzuordnen. Mit den neuen Features hat Facebook auf jeden Fall ein bewiesen: In Palo Alto ist man weiter auf der Höhe der Zeit und jederzeit in der Lage sich neu zu erfinden. Zurückblickend erscheinen die kleinen Neuerungen, die Facebook in letzter Zeit vorgestellt hatte (bspw. die Videochats) tatsächlich wie schnelle Reaktionen auf Google+. Doch im Vergleich zu den gestrigen Enthüllungen verblassen diese Neuerungen völlig. Hatten viele Facebook angesichts der Begeisterung um Google+ bereits abgeschrieben, zeigt sich nun wie vorschnell diese Prognosen waren. Facebook is here to stay. Und vor allem hat es entscheidende Schritte unternommen, um sich noch tiefer im digitalen Leben seiner Mitglieder festsetzen. 


Ein Ausblick

Und was passiert als nächstes? Der nächste logische Schritt dürften verstärkte Aktivitäten im mobilen Sektor sein. Denn gestern gab’s keine Neuigkeiten zum Project Spartan, einer neuen HTML5-Plattform an der die Facebook-Entwickler derzeit arbeiten. Dabei soll es sich um eine Web-App für Tablets und mobile Endgeräte handeln.

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