Magazin für digitale Arbeit & Kultur
Design

SOPA-Protest: Der schwarze Tag ist gekommen

admin
#sopa-protest

Zugegeben, so schwarz wie von vielen erwartet fiel der groß angekündigte Protest gegen den Stop Online Piracy Act (SOPA) und den PROTECT IP Act (PIPA) am Ende doch nicht aus.

Beispiel Wikipedia: Die englische Fassung des beliebten Online-Lexikons hatte angekündigt für einen Tag zu streiken. Der große Blackout ist aber nichts anderes als ein schwarzes Layer, das über die Inhalte der Seite gelegt wurde. Wenn man genau hinschaut (nicht blinzeln!), sieht man dass die Texte und Infos der Enzyklopädie unter der Protest-Fassade weiterhin verfügbar sind.

Wikipedias Streikeinblendung
Wikipedias Streikeinblendung

Die beiden englischen Wikipedia-Seiten zu SOPA und PIPA können übrigens über Google gefunden und auch aufgerufen werden. Abgesehen davon stehen Wikipedias mobile Seiten weiterhin in vollem Umfang zur Verfügung. Man kann diese Seiten sowohl übers Smartphone, als auch über den Desktop-Browser aufrufen. Bei letzterem sollte man allerdings darauf achten, dass das m für mobile vor der Adresse steht. Etwa so: en.m.wikipedia.org (probiert’s einfach mal aus)

Wikipedias mobile Webseiten funktionieren!
Wikipedias mobile Webseiten funktionieren!

Dass man bei Wikipedia nicht tatsächlich die Server abgeschaltet hat, liegt an potenziell negativen Auswirkungen auf das Suchmaschinen-Ranking der Seite. Hätte Wikipedia den Stecker gezogen und wäre für einen ganzen Tag vom Netz gegangen, hätten Google, Bing oder Yahoo festgestellt, dass die Links zu den Wikipedia-Artikeln ins Leere führen und sie nicht mehr in den Suchergebnissen aufgelistet. Demzufolge wäre die Popularität des Online-Lexikons für eine geraume Zeit in Mitleidenschaft gezogen worden. Diesen Kollateralschaden wollte man dann scheinbar doch nicht in Kauf nehmen.

Andere Online-Größen wie Google und WordPress haben ihrerseits auch zum Protest beigetragen. TheNextWeb kündigte an, dass die Google.com-Startseite ihr Logo durch einen schwarzen Balken exemplarisch zensiert (siehe Aufmacherbild). Allerdings sieht man diesen hierzulande nur, wenn man die Seite über einen amerikanischen Proxy-Server aufruft. Weiterhin findet sich ein Link zu Googles End Piracy not Liberty Seite, mit der Bitte “Tell Congress: Please don’t censor the web!”. 

WordPress war zumindest etwas einfallsreicher und zeigt via Vimeo ein schönes Video, dass den ganzen Sachverhalt einfach und anschaulich erklärt und auch aufzeigt, welche (negativen) Auswirkung die Gesetze haben könnten.

PROTECT IP / SOPA Breaks The Internet from Fight for the Future on Vimeo.

Insgesamt soll es 7.000 amerikanische Websites geben, die sich dem Protest gegen SOPA und PIPA angeschlossen haben. Darunter sind auch Mozilla und der Reddit-Blog. Besonders einfallsreich finden wir aber die privaten, kleineren Gegner des Zensurgesetzes, die ihrer Stimme Gehör verschaffen wollen: Oatmeal.com hat den Sachverhalt, mit Hilfe von Jesus und Talk-Show-Ikone Oprah Winfrey, zur Abwechslung ebenso bizarr wie warnend illustriert. Ein Blick auf die Oatmeal-Website lohnt sich!

Auch nachfolgender, auf Don McLeans “American Pie” basierender YouTube-Song “The Day the LOLcats Died” von LaughPong ist mehr als sehenswert. McLean hat mit dem Song, Ende der 60er, seine Mitbürger an die gute alte Zeit erinnert, die Neuinterpratation malt hingegen ein Horrorszenario vom Online-Leben nach SOPA und PIPA. Wir hoffen, dass wir uns nicht auch schon bald nach der guten alten Zeit zurücksehnen. Zu sehr haben wir uns doch mittlerweile an die unendlichen Weiten des freien Internets gewöhnt. Oder nicht?

Über den Autor
Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>