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Nicolas Reis über das Helfen von Helfern

admin
#altruja

Altruja bietet ein Tool für Social Fundraising. Wir sprachen mit CEO Nicolas Reis über die Vorteile, die das Internet gemeinnützigen Organisationen bietet und die humanistischen Vorzüge von Social Media.

CREATE OR DIE: Herr Reis, Sie sind CEO von Altruja, einem Tool für Social Fundraising. Was kann man sich darunter genau vorstellen?

Nicolas Reis: Altruja ist Anbieter einer Online-Fundraising-Software, die sich an Charities (z.B. Gemeinsam für Afrika e.V., Brot für die Welt etc.) und andere Organisationen, die in erster Linie von Spenden leben, richtet. Mit der Onlinesoftware, die schnell und einfach in die jeweiligen Webseiten integriert werden kann, werden Spender zu Spendensammlern. Organisationen können über diese und das Web 2.0 neue Spender erreichen und damit ihr Spendenvolumen exponentiell erhöhen. Die Neuspenderakquise wird deutlich günstiger und die Spendenabwicklung effizienter für Organisationen.

Die Idee zur Gründung basiert auf Praxiserfahrungen, die das Gründerteam im stark wachsenden nordamerikanischen Onlinespendenmarkt sammeln konnte und wurde letztendlich für den deutschen Markt adaptiert.

Kurz gesagt: Wir versuchen, der gute Geist im Hintergrund zu sein, der Organisationen dabei hilft, den Weg ins Web 2.0 erfolgreich zu gehen und modernste Technologien anbietet, damit Spendenorganisationen kosteneffizienter arbeiten können. Dadurch kommt am Ende deutlich mehr Geld dort an, wo es wirklich gebraucht wird.

Das Gründerteam von Altruja: Andreas Jagdhuber, Nicolas Reis und Stefan Grothkopp
Das Gründerteam von Altruja: Andreas Jagdhuber, Nicolas Reis und Stefan Grothkopp

CREATE OR DIE: Wie entwickelt sich die Idee, ein solches Tool auf den Markt zu bringen? Reine Menschenliebe, oder ist auch ein wenig unternehmerisches Gespür für die Marktlücke im Spiel?

Reis: Es handelt sich hierbei sicherlich um eine Kombination aus beidem. Soziales Unternehmertum widerspricht unserer Meinung nach in keinster Weise unternehmerischem Erfolg. Natürlich wäre es uns allen lieber, wenn von einer 100-Euro-Spende auch wirklich alles in Haiti ankommen würde. Dem ist aber leider gegenwärtig ganz und gar nicht so.

Spendenorganisationen geben aktuell ca. 20 bis 30 Prozent für Werbung und Verwaltung aus. Gerade Postkarten, Plakate, Telefon-, oder Straßenfundraising kosten Organisationen enorme Summen. Wenn wir es schaffen, diese Kosten deutlich zu senken, ist sowohl der Charity als auch uns aus unternehmerischer Sicht geholfen. Am Ende kommt damit natürlich deutlich mehr bei den Bedürftigen an, da das Internet wesentlich niedrigere Kosten verursacht als traditionelle Spendenkanäle.

CREATE OR DIE: Sicherlich müssen Hilfsorganisationen auch Ihre Kosten decken, und für Spenden ist eben ein nicht unerheblicher Werbeaufwand nötig. Schreibt der Gesetzgeber denn vor, wie viel Geld in Werbung und Verwaltung fließen darf und wie viel dem eigentlichen Zweck zugute kommen muss?

Reis: Das ist richtig, Spendensammeln ist ein relativ kostspieliger Prozess. Denken Sie nur an die ca 250-300 Millionen Postkarten, die jedes Jahr verschickt werden – die meisten von uns kennen Sie vor allem in der Weihnachtszeit.

Der Gesetzgeber tritt hier insofern regulierend auf, dass er Kriterien festlegt, ab denen eine Organisation Spendenbescheinigungen ausstellen darf. Einfach aus dem Grund, dass hiermit bei mangelnder Einhaltung Steuergelder verloren gehen. Zum anderen gibt es Einrichtungen wie das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), welches sein Spendensiegel nur an Organisationen vergibt, die auch gewisse Effizienz- und Transparenzkriterien erfüllen.

Anzumerken ist jedoch, dass lediglich fünf Prozent der Charities in Deutschland das DZI-Siegel tragen.

CREATE OR DIE: Kann auf der anderen Seite der Spender immer beurteilen, wo seine Hilfe am meisten benötigt wird? Manchmal ist die Sachlage schließlich doch etwas komplexer…

Reis: Das ist sicherlich eine der zentralen Fragen, die Spendenorganisationen beantworten müssen, um in Zukunft das Vertrauen der Spender zu bekommen. Gemäß unserem Slogan “Wir helfen Helfern” unterstützen wir die Organisationen dabei, die erhaltenen Spendengelder möglichst effizient einzusetzen.

CREATE OR DIE: Kann Social Media vielleicht letztendlich die Welt retten? Oder anders formuliert: Wird unser Planet durch Facebook, Twitter und Co. auch im wahrsten Sinne des Wortes “sozialer”?

Reis: Gute Frage – Wir glauben, Ja. Menschen spenden ja nicht wegen einem Kanal wie z.B. Postkarte, Telefon oder E-Mail. Menschen spenden, weil ihnen ein Anliegen wichtig ist. Am allereffektivsten ist da sicher seit Jahrtausenden der persönliche Kontakt zwischen Menschen, die sich schätzen bzw. mögen. Dieser Zugang war in der Vergangenheit eben nur begrenzt möglich – man kann schließlich nur eine limitierte Zahl von Freunden persönlich ansprechen. Das Web 2.0 und Social Media bilden hier zum ersten Mal die Möglichkeit, hunderte Freunde und Verwandte innerhalb von wenigen Minuten auf ein persönlich wichtiges Problem hinzuweisen.

CREATE OR DIE: Herr Reis, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Gespräch führte Jürgen Telkmann

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