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Karneval oder so schnell bricht die nächste Jahreszeit an

admin
#karneval

Der Januar ist bereits Geschichte und ich stelle mit Entsetzen fest, dass das farbenprächtige Fastelovendstreiben inklusive Tätäää und Dschingderassabum schon am Horizont aufblitzt. Wiewohl ich karnevalistisches im Internet außerhalb der einschlägigen Onlineshops vergeblich suche. Aber Letztere suche ich, denn ich benötige ein Kostüm für drinnen bzw. für kleinere Räume. Für große Hallen und draußen gibt es ein Königinkostüm. Zu einem ersten Einsatz kam das prächtige Gewand bereits bei einer Kostümsitzung – ich dachte nicht, dass ich jemals so alt werde. Wider Erwarten war es tatsächlich kurzweilig, ob es an den Gesprächen oder den eins, zwei, drei, vier Kölsch lag, lässt sich jedoch nicht mehr ermitteln.

Nun das Wichtigste – die Kostümfrage

Etwas luftigeres, partytauglicheres muss nun schnellstens her, denn das Kostümfest ist in einer Woche. Ergo: Das Internet muss es richten, was gibt es denn überhaupt und was wird der Großteil der Mitmenschen tragen. Frau will sich ja zum einen von der Masse abheben, gut aussehen (oder wenigstens ein bisschen exzentrisch, was die Wahl des Kostüms betrifft). Frau möchte aber auch nicht, dass das in mühevoller Kleinarbeit aufgetragene Gesichtgesamtkunstwerk durch übermäßiges Schwitzen leidet.

Ich bin heute mal wahnsinnig spontan und gebe direkt karnevalskostueme.de ein. Kaum vorstellbar, dass auf dieser Domain kein Shop betrieben wird. Ha! Denkste! Die Navigation links, wie man das so gelernt hat, benennt einen Haufen Kostümierungen in alphabetischer Reihenfolge. Das ist ja schon einmal ein vielversprechender Anfang. Anmerkung: Mit Befremden erfüllt mich allerdings das Kostüm “Kannibale”?! Mir sticht direkt die Meerjungfrau ins Auge. Die geneigten Leser werden sich aus dem Januar noch daran erinnern, dass ich als Sternzeichen “Fische” bin. Nach einem schnellen Klick erfahre ich, dass man gelegentlich solche Kostüme kaufen kann, aber man könne sie auch selbst nähen. Aha. Schnittmuster gäbe es bei den gängigen Herstellern von Schnittmustern. Soso. Hier bin ich also über eine Internetseite gestolpert, die sich der Herausgeber wegen des fehlenden Informationswerts für den Nutzer auch gepflegt hätte sparen können.

Kurz und Google

Ich werde fündig, Google sei gedankt: karneval-megastore.de. Die Navigation ist gewöhnungsbedürftig, seltenes Benutzen schont meine Nerven, denn die Seite hat wohl 1024er Monitore gar nicht mehr auf dem Zettel. Zugegeben, es sind nur noch 36 Prozent der Nutzer, aber ich bin dennoch genervt, wenn ich in der Seite erst runterscrollen muss und dann erst die Navigation öffnen kann, ansonsten wird sie nämlich nicht ganz dargestellt. Sie klappt hübsch zweispaltig nach rechts auf und ist ein großflächiges Meisterwerk der Sortierung. Nach einer Eingewöhnungszeit von gefühlten zwei Wochen werfe ich einen kurzen Blick auf die abschließend erscheinende Liste. Hier bin ich wohl richtig, hier gibt es alles: Babykostüme, Kinderkostüme, Soldaten und Offiziere, 20er-, 50er- und die 70er-Jahre vermutlich aus jedem der vergangenen Jahrhunderte. Wobei ich mich frage, ob “Tierkostüme” Kostüme für Tiere oder Kostümierung als Tier bezeichnet. Analog zu den Babykostümen sehe ich schon Pferde als Kanarienvögel daherkommen.

Volltextsuche ist toll, wenn sie funktioniert

Die Zeit, die ich mit Scrollen zubrachte, habe ich zum grübeln genutzt und nun beschlossen, auf die Schnelle doch wieder irgendwas “nächtliches” zu werden. Irgendwas lässt sich da aus dem bestehenden Inhalt des Kleiderschranks zaubern, wiewohl ich damit sicher nicht den Gipfel der Kreativität erklimme und mich damit vermutlich unwillentlich in die Twilight-Groupies einreihen werde – und das in meinem Alter. Was mir fehlt, das Ergebnis der kurzen Bestandsaufnahme während der Scrollzeiten, ist ein langer Rock. So einer, der ein wenig staubig aussieht, aber sehr weit ist. Natürlich in schwarz.

Ich kann es kaum glauben, die Suche gratuliert?! Kein Scherz. Dort steht auf meine Anfrage “rock” in weißen Buchstaben auf pinkfarbenem Grund: “Gratulation! Wir haben folgende Artikel für Sie gefunden!”. Gratulieren die nun mir oder sich? Sie weisen mir verlinkt die Anzahl der Treffer in den einzelnen Kategorien aus und ich bin erstaunt, in welchen ich überall Röcke finde: Fun-T-Shirts, Halloween-Partydeko, Perücken, Spaßzähne und Vampire und viele andere. Eine Auswahl nach Preis gibt es auch, ich versuche mein Heil also bei “Halloween-Kostüme, Damen 40″. Wer ist Gothic Maid Burgunder? Nett, sehr lila, aber kein einzelner Rock. Wem sie und vor allem warum sie gratulieren hab ich nicht abschließend klären können.

Ein neuer Versuch mit der Navigation “Erst Seite scrollen, dann Navi mit Mouseover ausfahren” ergibt den Menüpunkt “Sexy Dreamgirlz Kostüme“. Ich bin schon groß, ich bin mutig und ich sehe nicht aus wie ein Nilpferd. Wie schlimm kann es also werden? Nomen est omen, darin werde ich sicher nicht schwitzen. Oha, 16 Seiten mit Kostümen, die trotz des oftmals geringen Stoffverbrauchs zugegebenermaßen nicht preiswert sind.

Bin ich für Sie vorstellbar als Sexy Witch oder Heiße Schwester oder Dolly Deluxe oder Marienkäferchen? Zugegeben die Glücksfee gefiel mir und auch das eine Schneewittchen war nicht schlecht, das andere war eines in Hotpants und mit Corsage. Mich erinnern die Kostüme alle vage an Rollenspielverkleidungen aus einem mir nebulös bekannten Beate-Uhse-Katalog. Wen nimmt es Wunder, wenn man zu jedem der Kostümchen, denn ausgewachsen sind die noch nicht, den Hinweis findet (ich zitiere):

MANN kann ohne Umschweife sagen, dass ALLE Kostüme unserer Dreamgirlz-Serie so heiß sind, dass die Luft darum eigentlich zu brennen beginnen müßte! Zwar trägt FRAU generell Kostüme zu Karneval, doch die Kostüme der Dreamgirlz-Collection lassen sich auch problemlos zu allen möglichen anderen Anlässen anziehen, bei denen eine Verkleidung erforderlich ist. Das Konzept der Serie verfolgt den vielfachen Kundinnenwunsch nach Kostümen, die ähnlich dem ‘Kleinen Schwarzen’ einfach sexy, frech und sehr körperbetont sind. Dafür stehen die Dreamgirlz nun quasi mit ihrem Namen.

Der Laie staunt und der Fachmann wundert sich und ich warte dann mal auf andere Anlässe. Und wegen des Kostüms werde ich dann wohl doch in die bekannte Drogerie des Ortes gehen und sehen, ob ich dort noch einen Ganzkörperclown erstehen kann. Alaaf!

Jordis Fink, Betriebswirtin, ist mit Leib und Seele seit zwölf Jahren E-Marketer. Sie arbeitet seit fünf Jahren als Freie Beraterin und baut derzeit eine E-Marketing-Unit im Drehturm in Aachen bei Power+Radach/Powerflasher auf.

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