Magazin für digitale Arbeit & Kultur
Apple

iPad mini: das kleine iPad 2

André Mengel
#apple #ipad 2 #ipad mini

Gestern Abend um viertel nach Sieben deutscher Zeit war es soweit. Tim Cook trat auf die Bühne und stellte die Neuheiten im Apple-Universum vor – darunter, wie erwartet, das iPad mini. Für einige unerwartet kam es auf dem Event jedoch noch zu einer weiteren Weltpremiere: und zwar der des iPad 4.

Doch der Reihe nach: Einleitend zeigte Tim Cook der tobenden Menge im California Theatre zunächst anhand eines nett inszenierten PR-Videos den Erfolg des iPhone 5 und lobte anschließend auch die Nischenprodukte iPod touch und nano. Seine Einführung endete mit der Vorstellung der neuen iBooks-Version 3.0. Diese soll dank “Continuous Scrolling” für natürlicheres Lesen sorgen und ermöglicht es außerdem, Zitatausschnitte direkt mit Freunden zu teilen.

Nur in der Nebenrolle: das iPad 4

Richtig spannend wurde es wie immer ganz zum Schluss, als Marketing-Chef Phil Schiller über das iPad 4 sprach. Gerade mal ein halbes Jahr nach der Vorstellung des neuen iPad – alias iPad 3 – hat Apple den König aller Tablets neu überarbeitet. So unterstützt es nun dank eines neuen LTE-Chips auch europäische Frequenzen und soll mit dem überarbeiten A6X-Prozessor auch doppelt so schnell wie der noch nicht einmal ein Jahr alte Vorgänger sein. Trotz der zugegebenermaßen beachtlichen Neuerungen bekam das jetzt ganz neue iPad keine eigene Keynote spendiert, sondern stand im Schatten des iPad mini. Unter den Tisch fallen sollte das Tablet mit Retina-Auflösung hingegen nicht. Immerhin ist es technisch auf dem neusten Stand und, was hierzulande viele freuen wird, mit dem LTE-Netz der Telekom kompatibel.

“This is iPad mini”

Das iPad mini - ein geschrumpftes iPad 2.© Apple
Das iPad mini – ein geschrumpftes iPad 2.© Apple

Wenn auch jeder wusste, welches Gerät zum Abschluss des Events vorgestellt werden würde, kam die Präsentation des iPad mini dann doch plötzlich und überraschend: Während das iPad 4 noch immer eingeblendet war und Schiller über Möglichkeiten sprach, noch mehr aus dem Apple-Tablet herauszuholen, drehte es sich langsam und brachte das neue, deutlich geschrumpfte iPad mini zum Vorschein.

Aber was macht man nun mit einem kleineren iPad? Diese Frage stellte sich auch Apple und beantwortete sie gleich zu Anfang, um den Zuhörern zu vermitteln, was sie überhaupt vor sich haben. Nun ja, man kann es in einer Hand halten, nannte Schiller als zunächst einziges Argument. Außerdem ist es dünn wie ein Bleistift und nicht schwerer als ein Schreibblock. Dass Schiller überwiegend auf den Formfaktor des neuen Apple-Tablets einging, das aufgrund der reduzierten Display-Größe und der kleineren Fassung natürlich deutlich besser in der Hand liegt, hatte seinen Grund. Denn etwas Neues, Innovatives oder gar Bahnbrechendes stellt das iPad mini nicht dar – so wie es die bereits Wochen zuvor treffsicher vorausgesagten Specs (ein iPhone 5 Déjà-vu) erahnen ließen.

Andererseits blieb sich Apple treu: Wenn nämlich das iPhone 5 das Größte ist, was dem iPhone passieren konnte, ist das iPad mini in der Tat das Kleinste, was dem iPad passieren konnte. Böse Zungen mögen behaupten, dass Apple für ein Low-Budget-Produkt den roten Teppich ausrollte und nun hofft, dass es im Windschatten der Großen seinen Weg nach vorne bestreitet. Die Technik des kleinen Kumpanen verglich Schiller nämlich mit dem über einem Jahr alten “current iPad 2″. Beide haben dieselbe magere Auflösung von 1024 x 768 Pixeln – durch den von 9,7 auf 7,9 Zoll geschrumpften Screen sieht das Bild beim Mini-Tablet natürlich deutlich besser aus. Vorteil des Ganzen ist, wie Schiller bemerkt, dass alle iPad Apps auch auf dem mini laufen und es nicht wie beim iPhone 5 zwei Formate gibt, an denen sich Entwickler orientieren müssen. Auch der A5-Prozessor des mini ist derselbe wie im iPad 2. Siri ist trotz betagter Technik mit an Bord, als Highlight wird die Sprachassistentin jedoch nicht mehr gesehen. Das erklärt auch, warum sie in der Keynote mit keinem Ton erwähnt wurde.

Um trotz alter Technik auf dem neusten Stand zu sein, verfügt es wie nun alle neuen Apple-Produkte über den kleineren Lightning Dock, einen aktuellen LTE-Chip (wie im iPhone 5) und setzt auf das Nano-SIM-Format für die Cellular-Modelle (eine Übersicht aller technischer Daten findet Ihr unter store.apple.com).

Googles Nexus 7 und das vergessene iPad 3

Um die Vorzüge eines iPad mini zu unterstreichen, verglich es Schiller mit dem Nexus 7, dem laut seiner Aussage am besten beurteilten Android-Tablet. Unseres Wissens nach war es das erste Mal seit dem berühmten “1984”-Anti-IBM-Werbespot, dass Apple ebenso plakativ wie wetteifernd ein eigenes Produkt mit einem der Konkurrenz vergleicht – vor allem mit einem Produkt, das zusammen mit Amazons Kindle Fire die Dominanz Apples im Tablet-Sektor gefährdet. Die Gegenüberstellung sprach natürlich für das iPad mini, denn die Apple Experience sei einfach unschlagbar, so Schiller. Wenig objektiv fiel auch der Vergleich der Bildschirme aus: Man zeigte, wie viel mehr Platz auf dem 0,9 Zoll größeren Apple-Display zur Verfügung stehe, die geringere Auflösung – beim Nexus 7 sind es 1.280 x 800 Pixel – ließ man hingegen außen vor.

Was wohl die meisten noch mehr überraschte als Apples untypische Präsentationsstrategien, war die anschließende Vorstellung des neuen iPad-Portfolios. Das besteht nämlich jetzt aus dem iPad mini, dem iPad 2 und dem iPad mit Retina Display (vierte Generation). Das noch im März mit Glanz und Gloria vorgestellte “neue iPad” verschwindet somit praktisch von der Bildfläche und wirkt schon fast wie der ungeliebte Sohn, dessen Existenz man lieber verschweigt. Vielleicht aber wird es schon bald zu einer Rarität und kann mit dem Status des “Vergessenen Apple Tablets aus dem Jahr 2012″ einen enormen Wertzuwachs verbuchen.

Das iPad mini kann ab dem 26. Oktober vorbestellt werden.© Apple
Das iPad mini kann ab dem 26. Oktober vorbestellt werden.© Apple
Das kleine Fazit:

Betrachtet man das Ganze von oben, macht sich Apples iPad mini recht gut im neuen Tablet-Sortiment der Cupertiner. Über die Leistung und das Handling des Geräts kann man selbstverständlich noch nicht allzu viel sagen, ohne es wirklich in der Hand gehalten zu haben. Dennoch sollte man im Hinterkopf behalten, dass der im mini verbaute A5-Prozessor nicht aus Apples jüngster Entwicklerschmiede stammt, sondern aus der Vorvorproduktion des iPad 2.

Und auch wenn das iPad 2, nun da das iPad 3 stillschweigend aus dem Sortiment genommen wurde, wieder frischer und neuer erscheint, ist die Technik darunter schon lange Zeit überholt. Käufer sollten sich also darüber im Klaren sein, dass sie mit dem iPad mini ein neues Gerät mit teils betagter Technik kaufen und dafür schon ordentlich zur Kasse gebeten werden. Mit 329 Euro für das Basismodell liegt Apples Mini-Tablet stolze 130 Euro über dem Preis des Nexus 7 oder des Kindle Fire HD. Voll ausgestattet – mit LTE und 64 GB Speicher – kostet der Apple-Neuling sage und schreibe 659 Euro. Ein Einsteigermodell ist das wohl kaum.

Über den Autor
André Mengel

André Mengel

Alle Beiträge

André Mengel ist seit Ende 2011 Redakteur bei Software & Support Media. Sein Fachgebiet ist die Apple-Welt rund um iOS und Jailbreaking. Vor seiner Zeit als Online-Redakteur hat er Anglistik und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bayreuth studiert.
Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>