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Großbritannien: "Einmal Internet mit Porno, bitte…"

admin
#internet ohne porno

Pornografie und Technologie sind zwei Dinge, die irgendwie zusammenzugehören scheinen. Die Pornoindustrie soll unter anderem bei der Etablierung von technischen Standards wie der VHS-Kassette, der DVD oder jüngst der Blue-ray-Disk ein wichtiger Katalysator gewesen sein, und manch einer witzelt, dass Internet sei sogar ein einzig und allein der Pornografie wegen erfunden worden. Da überrascht es doch, dass sich britische Internet-User fortan direkt bei Vertragsabschluss mit ihrem Provider offen dazu entscheiden müssen, ob sie für ihren Netzzugang Porno wollen oder nicht.

In Großbritannien hat die Mothers’ Union, eine christliche Interessenvertretung, die sich dem Schutz der britischen Jugend verschrieben hat, einen wichtigen Sieg errungen: Neue Vertragsabschlüsse für einen Internetzugang kommen standardmäßig pornofrei – die vier größten, britischen Provider hat man bei dieser Entscheidung mit an Bord: ISPs Sky, TalkTalk, BT und Virgin. Will man dennoch nicht auf erotische Unterhaltung verzichten, so bleibt Neukunden nichts anderes übrig, als diesen Wunsch explizit zu äußern. Eine Entscheidung, deren Wirkung auch Bernhard Jungwirth von Saferinternet.at gegenüber pte in Frage stellt:

Gefordert sind vor allem die Eltern. Sie müssen ihre Kinder aufklären und gemeinsam mit ihnen Medienkompetenz erarbeiten. Das Internet hat den Zugang zu pornografischem Material extrem vereinfacht. Um zu verhindern, dass Kinder sich dieses Bild von Sexualität zum Vorbild nehmen, müssen die Eltern arbeiten. Eine einfache Lösung gibt es nicht. Zu glauben, mit einem technischen Filter sei die Sache erledigt, wäre ein großer Fehler.

Die Entscheidung, anzügliche Inhalte mit Hilfe der Provider zu filtern, erfolgt in Großbritannien im Rahmen einer großangelegten Kampagne. Diese geht auf einen Bericht der Präsidentin von Mothers’ Union zurück, die in unter anderem in der Internet-Pornografie, sexualisierten Werbekampagnen und anzüglicher Kleidung für Minderjährige ernsthafte Risiken zur Gefährdung der Jugend sieht. Unterstützung bekommt sie dabei von höchster Stelle: Premierminister David Cameron will diesen Gefahren nun mit einer großangelegten Kampagne entgegenwirken. Zukünftig seien auch das “Verbot von aggressiver Werbung und manchen Sujets für Plakate” vorgesehen.

Die aktuellen Änderungen betreffen allerdings nur Neukunden der Provider – alle Bestandskunden können auch weiterhin auf das ungefilterte Netz zurückgreifen. Zwei der teilnehmenden Netzanbieter setzen dabei auf Filter-Software von McAffee, die direkt auf dem Computer installiert wird, die übrigen beiden filtern über das Netzwerk.

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