Amazon sperrt App Store für deutsche Entwickler

Amazon sperrt App Store für deutsche Entwickler

Christoph Ebert

Die erbitterte Konkurrenzsituation zwischen Amazon und Apple wird jetzt auf dem Rücken deutscher App-Entwickler ausgetragen. In einem Schreiben hat Amazon jetzt deutsche Entwickler darüber informiert, dass der Online-Händler bis auf weiteres keine neu eingereichten Apps aus Deutschland in seinem App Store annimmt. Zwar kann man hierzulande nicht auf das App-Angebot der US-Seiten zugreifen, doch deutsche Entwickler konnten bisher zumindest ihre Applikationen auf dem amerikanischen Markt anbieten.

Wie Teczilla berichtet, wurde Dan Frommer von SplatF eine E-Mail zugespielt, in der sich Amazon an deutsche Entwickler wendet und von juristischen Gründen spricht. Hintergrund sind unterschiedliche Rechtslagen hierzulande und in den USA, wo Apple bislang vergebens versucht hat, Amazon daran zuhindern, seinen App Store für Android-Applikationen "App Store" zu nennen. In Deutschland ist zwar auch noch keine gerichtliche Entschiedung gefallen, jedoch will Amazon angesichts des schwebenden Verfahrens lieber auf Nummer sicher gehen. Hier das Schreiben in vollem Wortlaut:

“Wir wurden zu dieser Einschränkung gezwungen durch ein gerichtliches Vorgehen von Apple in Deutschland, um uns daran zu hindern, den Begriff “Appstore” zu nutzen. Wir halten Apples Klage für gegenstandslos und fechten sie aktiv an.
Wenn Sie in Ihren Account im Developer Portal einloggen, wird Ihnen auffallen, dass die Optionen für das Einreichen neuer Apps entfernt wurden. Wir hoffen, dass wir schon bald wieder neue Anwendungen von deutschen Entwicklern annehmen können und werden Sie informieren, sobald wir dazu wieder in der Lage sind.
Wir wissen Ihre Geduld zu schätzen und Ihr bleibendes Interesse am Amazon Appstore for Android.”

Die Streitigkeiten zwischen Apple und Amazon haben sich in letzte Zeit intensiviert. Der Konflikt um die Namensgebung des App Stores ist die aktuellste Ausprägung der scharfen Auseinandersetzungen, die inzwischen auch den Bereich der mobilen Software erreicht haben. Denn Amazon ist in verschiedenen Marktsektoren - nicht zuletzt aufgrund ernormer Investitionen - schon längst zum ernsthaften Konkurrenten von Apple avanciert. Im Geschäft mit digitaler Musik hat sich das Angebot von Amazon zur veritablen Alternative zu Apples iTunes entwickelt. Bei den E-Books wetteifert man mit Apple um Kunden und auch im Bereich Cloud-Service hat Amazon einen Konkurrenten zu Apples iCloud am Start. Das Tüpfelchen auf dem i ist Amazons Ankündigung im Oktober ein eigenes Tablet auf den Markt zu bringen - eine klare Kampfansage an Apples iPad. Das Tabelt soll angeblich auf Google Android Plattform basieren und einen 9-Zoll-Bildschirm haben. Es wird spannend zu sehen, welche Auswirkungen ein Amazon Tablet auf den Umsatz des Amazon E-Readers Kindle haben wird, der laut Amazon ein Bestseller war.

Generell werden Amazon von Experten jedoch gute Chancen eingeräumt, Apple zumindest ein wenig in Bedrängnis zu bringen. Ein Hauptgrund ist, dass Amazon bereits über einen großen Online-Store mit Digital Content verfügt. Neben dem Geschäft mit digitaler Musik, wurde im Februar in den USA ein Video-Streaming-Dienst gestartet. Ferner wird spekuliert, dass Amazon bei seinem Tablet ordentlich an der Preisschraube dreht und sich unter Umständen dazu entscheidet, dass Gerät mit Verlusten zu verkaufen. Das Geld könnte stattdessen mit dem Verkauf von Filem, Musik und Bücher wieder reingeholt werden.

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